Holzenergie - Energie aus Holz

Brennholz, Hackschnitzel und Holzpellets sind für viele Menschen Hoffnungsträger in der aktuellen Energiekrise. Gleichzeitig steht die Holzenergie oder Holz als Brennstoff öffentlich stark in der Kritik - teilweise gerechtfertigt, überwiegend aber auch nicht.

Deshalb möchten wir hier unsere Meinung dazu veröffentlichen:

1. Klimaneutralität oder nicht?

Der bei der Verbrennung von Holz freigesetzte Kohlenstoff entstammt der Atmosphäre (nicht etwa dem Boden, wie viele meinen - der Baum wächst nicht aus dem Boden, sondern aus der Luft!). Der Kohlenstoff wurde der Atmosphäre während des Wachstums des Baumes entzogen und ist bis zur Verbrennung oder der Verrottung der Bestandteile des Baumes in diesen gespeichert.

 Ein gefällter Baum, der verbrannt wird, setzt den in ihm gespeicherten Kohlenstoff schneller frei, als ein Baum, der noch weiter lebt, oder Holz, das zu Produkten wird, die lange Zeit den Kohlenstoff speichern, z.B. Bauholz. Hierbei handelt es sich um Zeiträume von Jahren und Jahrzehnten, teilweise von Jahrhunderten (z.B. alte Holzhäuser).

Ein gefällter Baum, der im Wald verbleibt, setzt den Kohlenstoff im Laufe weniger Jahre bis Jahrzehnte wieder frei - und zwar fast vollständig. Ein Baum, der im Wald bleibt, wird fast vollständig von Tieren, Pilzen, Bakterien und anderen Lebewesen verstoffwechselt und in der Form von CO2 wieder der Atmosphäre zugeführt. Nur sehr wenig Kohlenstoff wird im Boden gespeichert. Nur in Ausnahmefällen (z.B. unter Luftabschluss, also in Mooren oder Bäume, die in Gewässern liegen) wird der Baum nicht verstoffwechselt.

Fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle sind über Jahrmillionen entstanden. Der in ihnen gespeicherte Kohlenstoff wurde vor Jahrmillionen der Atmosphäre entzogen, lagert seit Jahrmillionen in der Erde und bleibt der Atmosphäre entzogen, bis wir diese Ressourcen bergen und verbrennen. Tun wir das nicht, sind sie dort dauerhaft gelagert, der Kohlenstoff der Atmosphäre dauerhaft entzogen.

Fazit: Durch die Verbrennung von Holz freigesetzter Kohlenstoff gelangt früher in die Atmosphäre, als wenn Holz nicht verbrannt wird. Es handelt sich um einen Zeitraum von Jahren, Jahrzehnten oder maximal wenigen Jahrhunderten und um einen Kreislauf. Bei fossilen Brennstoffen handelt es sich um einen Zeitraum von Jahrmillionen und man kann nicht wirklich von einem Kreislauf sprechen.

2. Nachhaltigkeit

Kritisiert wird, das Holz schneller verbrannt wird, als es nachwächst. Holz wächst in der Vegetationsperiode. An jedem Baum wächst in jeder Vegetationsperiode ein Jahrring. Weil wir nicht jedes Jahr einen Jahrring eines Baumes nutzen können und wollen, nutzen wir einen Teil der Bäume oder des Waldes. Wir nutzen dabei nicht mehr, als im selben Zeitraum nachwächst. Es ist Unfug, als Zeitraum eine Sekunde, Minute, Stunde, Tag oder Woche zu betrachten. Wir betrachten in der Regel mindestens ein Jahr - und das ist gut so, denn Holz kann etwas, was andere erneuerbare Energien nicht können: Energie im Sommer speichern, damit sie uns in der kalten Jahreszeit zur Verfügung steht.

Solange wir nicht mehr Holz nutzen, als nachwächst, ist die Nutzung nachhaltig - egal, ob wir das Holz stofflich oder energetisch verwenden.

Ob wir uns im Rahmen der Nachhaltigkeit bewegen, zeigt uns zum Beispiel die Bundeswaldinventur.

Oft wird behauptet, dass ein Baum der gefällt wird, keinen Kohlenstoff mehr speichern kann. Diese Behauptung führt in die Irre: Wenn wir darauf achten, dass ständig Baumkronen vorhanden sind, wird der durch den gefällten Baum frei werdende Platz durch andere Bäume genutzt. Bei einer Durchforstung machen das die Nachbarbäume, bei einer Holzernte über Verjüngung macht das im Wesentlichen die Verjüngung. Bei Kahlhieben funktioniert das freilich erst einmal nicht, aber Kahlhiebe in der Regel Ergebnisse von Katastrophen und nicht von planmäßiger Waldwirtschaft.

3. Steigert Energieholz den Nutzungsdruck auf unsere Wälder?

Hauptprodukt unserer Waldwirtschaft ist Holz, das zu Möblen, Böden, Bauholz oder anderen hochwertigen und langlebigen Holzprodukten wird.

Energieholzsortimente aus dem Wald sind

  • die auf das Volumen bezogen billigsten Teile der Bäume,
  • deren Volumen aus diesem Grund so gering wie möglich gehalten wird.

Wegen des geringen Erlöses, der sich mit einem geringen Volumenanteil multipliziert, fallen Energieholzsortimente wirtschaftlich kaum ins Gewicht. Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass Energieholz zum Treiber der Waldnutzung wird. So wie Weintrauben nicht wegen des Tresters gekeltert werden, sondern wegen des Weins, so wie Getreide nicht wegen des Strohs angebaut wird, sondern wegen des Korns, so schneiden wir nicht Bäume um, um sie zu verbrennen, sondern um den genialen Rohstoff Holz stofflich zu nutzen. 

4. Koppelprodukte für energetische Nutzung

Wer Holz verwenden möchte, der muss einen Baum fällen. Weil der Baum nicht nur aus dem Stamm, sondern auch aus Ästen besteht, und der Stamm auch nicht von oben bis unten aus verwendungsfähigem ("sägefähigem") Holz, bleiben Teile des Baumes und des Stammes "übrig". Das was "übrig" bleibt kann man nutzen. Manchmal muss man das sogar: bei Fichte bieten diese "Überbleibsel" Brutraum für Borkenkäfer, die großen Schaden an anderen Fichten anrichten können. Sie sollten aus dem Wald entfernt werden.

Freilich kann man diese "Überbleibsel" oder Reste unter Umständen auch im Wald belassen mit durchaus positiven Aspekten für den Nährstoffhaushalt und die Biodiversität. Diese fallen um so mehr oder weniger ins Gewicht, je weniger oder mehr Totholz wir haben und je schlechter oder besser die Böden mit Nährstoffen versorgt sind. Gegnüber stehen die Vor- und Nachteile anderer Energieträger, solange wir diese (noch) benötigen.

5. Holzeinschlag für Holzpellets?

Bisher werden Holzpellets in Deutschland weitestgehend (zu über 90%) aus Koppelprodukten der Holzverarbeitenden Industrie hergestellt. Wenn Holz bearbeitet wird, fallen fast immer Späne an. Diese sind das Ausgangsmaterial für Holzpellets.

Holz aus dem Wald wird nur ausnahmsweise für die Pelletproduktion verwendet. In Frage kommen hierfür nur billige Sortimente, die für höherwertige, stoffliche Verwertung in der Regel nicht geeignet sind: faules, zu schwaches, verwachsenes, gebrochenes usw. Holz.

6. Wievel Holz steht für die energetische Nutzung zur Verfügung?

Je mehr Holz eingeschlagen wird, um so mehr Energieholz steht zur Verfügung. Wie viel das ist, hängt von Baumarten, Böden und Klima ab. In Deutschland haben wir sehr günstige Verhältnisse für die nachhaltige Waldwirtschaft: ein relativ günstiges Klima, gute Böden und sehr produktive Baumarten.

Trotz alledem können wir unseren maßlosen Energiebedarf nur zu einem kleinen Teil mit Holz decken. Holz sollte in erster Linie stofflich genutzt werden. Damit steht ein großer Teil des Holzes für die energetische Nutzung nicht zur Verfügung.

Weil Energieholz im Verhältnis zu seinem Wert ziemlich voluminös und schwer ist, fallen die Transportkosten im Verhältnis zu Warenwert schnell ins Gewicht. Somit bietet sich Holz vor allem als regionaler Energieträger an. Die Regionalität macht gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Produktion überschaubarer.

7. Energieeffizienz von Holzenergie

In der Regel wird Holzenergie in der Form von Wärme genutzt. Der erzielte Wirkungsgrad ist dabei sehr hoch, moderne Kamine, Heizungen, Pellet- oder Hackschnitzelanlagen stellen über 90% der Energie als nutzbare Wärme zur Verfügung.

Für die Stromerzeugung ist Holz vor allem dann geeignet, wenn gleichzeitig die bei der Verstromung entstehende Wärmeenergie genutzt werden kann, z.B. in Holzvergasern oder ORC - Anlagen.

Holz für den Betrieb von Großkraftwerken für die Stromerzeugung zu verwenden wird dem wervollen Rohstoff nicht gerecht. Großkraftwerke erzielen häufig nur sehr geringe Wikungsgrade, ein Großteil der erzeugten Energie muss in Form von Wärme in Gewässer und die Luft abgeleitet werden. Für solch abenteuerliche Energieverschwendung sollte Holz nicht zur Verfügung gestellt werden.

8. Wälder überhaupt nicht nutzen? Vorratsaufbau?

Solange Bäume wachsen, entziehen sie der Atmosphäre Kohlenstoff und speichern diesen. Somit können Wälder den Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre vermindern, sie sind Kohlenstoffsenken. So ist das in verschiedenen Dokumenten und politischen Vorgaben geplant.

Ob das aber realistisch ist, ist fraglich:

  • Selbst ungenutzte Wälder erreichen irgendwann einen Zustand, in dem sich die Biomasse nicht mehr wesentlich vermehrt: der Wald ist so alt, dass sich das Nachwachsen mit dem Absterben und Verrotten die Waage halten. Dann sind die Kohlenstoffspeicher voll.
  • Mit dem Zunehmen extremer Wetter- und Witterungsereignisse wie Stürme, Trockenheit, Hitze und auch Waldbränden steigt das Risiko der Wälder, solchen Ereignissen zum Opfer zu fallen. Das bedeutet, dass die Lebenserwartung der Wälder sinkt - und somit auch die Vorräte. Nach Schadereignissen wird der Kohlenstoff der geschädigten Bäume relativ schnell wieder freigesetzt.
  • Während einzelne Bäume sich nicht an den Klimawandel anpassen können, können das Wälder schon. Verjüngt sich ein Wald, besteht die Chance, dass die neue Baumgeneration besser an das Klima angepasst ist, als die vorhergehende. Um die Verjüngung einzuleiten braucht es Licht und Wärme am Waldboden (und angepasste Wildbestände!!!!). Dafür braucht es wiederum die Auflichtung des Kronendaches. Das bedingt einen Vorratsabbau.
  • Höhere Vorräte bedeuten höhere Brandlast. Auch wenn die Waldbrandgefahr in unserem Landkreis nicht besonders hoch ist, kann das riskant sein.

Weitere Informationen

Informationen über Holzenergie finden Sie auf den Seiten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)

Vergleiche über Emissionen verschiedener Energien auf den Seiten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Informationen über Holzpellets finden Sie auf den Seiten des Deutschen Pellet - Instituts DEPI

Fakten zum Wald in Deutschland finden Sie auf den Seiten des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der Bundeswaldinventur, der Bayerischen Forstverwaltung oder der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Hier finden Sie Stellungnahmen zum unsachlichen Beitrag von Plusminus:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe

Stellungnahme des Verbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DESH)

Kommetar in topagrar

Kommentar in forspraxis

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